gestaltberatung

Pesso-Therapie



Die Pesso-Therapie, wie die "Pesso Boyden System Psychomotor (PBSP)" auch kurz genannt wird, entstand Ende der 50er - Anfang der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Obwohl Therapeuten verschiedener Richtungen wie Tiefenpsychologie, Psychodrama, kognitiver Verhaltenstherapie, Gestalttherapie, Familienskulptur, Körpertherapie, Hypnotherapie oder Gesprächspsychotherapie Elemente ihres Ansatzes entdecken könnten, ist die Pesso-Therapie unabhängig von diesen Therapieformen entstanden und war zunächst nicht einmal als Psychotherapie gedacht. Sie entstand aus der genauen Beobachtung von Körperausdruck, deren Wirkungen die beiden professionellen Tänzer und Trainer Albert Pesso und Diane Boyden-Pesso entdeckten und zur Pesso-Therapie weiterentwickelten.

Al Pesso differenziert bei jedem Menschen zwei Arten von Gedächtnis. Zum Einen gibt es das individuelle oder persönliche Gedächtnis. Mit diesem erinnern wir uns an das, was wir selbst erlebt haben. Es ist zum Zeitpunkt unserer Zeugung vollkommen leer und alles was wir erleben, wird dort Stück für Stück abgespeichert.

Zum Anderen gibt es ein so genanntes genetisches oder evolutionäres Gedächtnis. In diesem Gedächtnis eines jeden Menschen ist ein tiefes Wissen um zwei grundlegende organismische Antriebe verankert: das Überleben des Individuums und das Überleben der Spezies. Der Mensch weiß also, was er für seine optimale Entwicklung und Entfaltung braucht. Für das Überleben des Individuums gehören ganz wesentlich die grundlegenden Entwicklungsbedürfnisse nach Platz, Nahrung, Schutz, Unterstützung und Grenzen dazu.

In dem universellen genetischen Gedächtnis ist unter anderem bereits festgelegt, welche Art von Interaktionen das Kind erwartet, um seine Entwicklungsaufgaben optimal erfüllen zu können. Dies bedeutet, dass das Kind mit der Anlage und Fähigkeit ausgestattet ist auf die verschiedenen Familienfiguren, denen es im Laufe seiner Kindheit begegnet, in spezifischer Weise zu reagieren, d. h. es hat ein gewisses eingebautes Wissen darüber, was es von Mutter, Vater, Großmutter, Großvater, Geschwistern, Onkel, Tante usw. erwarten, wie es deren Verhalten einordnen und darauf reagieren kann. Das Kind trägt aber zusätzlich auch ein angeborenes Potential in sich, die Funktion all dieser verschiedenen Rollen zu übernehmen und auch für andere auszufüllen, sollten Störungen im Familiensystem auftreten.

Wenn diese oben genannten Bedürfnisse in der frühen Entwicklung in ausreichender Weise befriedigt werden, lernt der Mensch dadurch auch im späteren Leben gut für sich zu sorgen und seine Beziehungen in befriedigender Weise zu gestalten. Wenn in der frühen Entwicklungsgeschichte die negativen Erfahrungen überwiegen, können tiefe Gefühle von Angst, Aggression, Frustration oder Resignation entstehen. Der Mensch hat das Gefühl, dass die eigenen Bedürfnisse zu seiner Entwicklung nicht legitim sind, eignet sich eine eigene negative innere Erwartungshaltung an, gibt oft Teile seiner eigenen Seele auf und verhindert dadurch die Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse.

Hier ermöglicht die Pesso-Therapie auf ihre ganz spezifische Weise und den besonderen Techniken der Methode sich von den lebenslang nachwirkenden Folgen der unerfüllten Bedürfnisse aus der frühen Kindheit, den vielschichtigen Schädigungen durch seelischen oder sexuellen Missbrauch oder Gewalt und Störungen im Familiensystem zu befreien.

Mittels einer Art "Gegenbild", also quasi als "Antidot" werden in der Pesso-Therapie neue, lebensbejahende symbolische Erinnerungen in dem Gedächtnis des Klienten/ der Klientin konstruiert. Diese heilenden Bilder und Erfahrungen werden mittels einer sehr genauen Beobachtung der Körperbewegungen und Ausdrucksweisen des Klienten/der Klientin sorgfältig und individuell entworfen und so eingerichtet, als ob sie in der tatsächlichen Vergangenheit der Person erlebt worden wären. Anstelle der alten Verletzungen treten nun die positiven Erinnerungsbilder, die es ermöglichen, die Gegenwart zufriedener und in besserem Kontakt mit anderen und einen optimistischeren Blick in die Zukunft zu erleben.

(Darstellung in Anlehnung an die Publikationen von Fischer-Bartelmann)